Der Autor Peter Freund

Peter Freund ist seit 1980 in der Film- und Fernsehbranche tätig, zunächst als Leiter und Manager verschiedener Kinos in Berlin, dann im Filmverleih und seit 1993 als Producer.

Als Autor, Dramaturg und Produzent ist er für zahlreiche Fernsehserien und -filme verantwortlich. Peter Freund lebt und arbeitet in Berlin. Weiterlesen...

Aktuelles Buch


Nele trifft Laura Leander

Wie schon mehrfach erklärt, entstand die Idee zu „Guardians of Secret Powers“ während der Arbeit am siebten Band der „Laura Leander“-Reihe: „Laura und der Kuss des schwarzen Dämons“. Völlig folgerichtig gab es in dem Buch dann auch eine Begegnung zwischen Laura, Lukas und Nele. Dieses Aufeinandertreffen wird in „Das Siegel des Teufels“ natürlich aus Neles Sicht geschildert:

Während ich Taha noch mit offenem Mund anstarrte, griff er unter seinen Umhang, holte eine Visitenkarte hervor und drückte sie mir in die Hand. „Hier, Nele. Pass gut darauf auf und verlier sie nicht. Die Karte könnte noch wichtig für dich sein.“

Wichtig? Was sollte der Quatsch?

„Meinst du das im Ernst?“

„Sehe ich aus, als würde ich scherzen?“ Er blickte mich eindringlich an. „Du solltest schnellstens bei uns vorbeikommen, Nele. Alles deutet darauf hin, dass du kein Norpel bist. Die Fantoms haben das wahrscheinlich auch gewittert und waren deshalb hinter dir her. Zum Glück hat die finstere Brut immer noch so viel Respekt vor unseren Freezern, dass sie sich schleunigst verdrückt haben. Aber wir können nicht überall zur Stelle sein. Wenn dir dein Leben lieb ist, Nele, dann schließe dich umgehend den Guardians an und werde ein Warrior wie wir.“

Blutgierer?

Norpel?

Fantoms?

Freezer?

Guardians?

Warrior?

Wovon, zur Hölle, sprach dieser Taha bloß? Wollte er mich vielleicht auf den Arm nehmen? Doch Taha bügelte meine Bitte um Erklärung kurzerhand ab.

„Keine Zeit“, beschied er mich mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Die Nacht ist noch lang und die Fantoms treiben ihr Unwesen in der ganzen Stadt. Seit es den Nokturni gelungen ist, die Menschen glauben zu machen, dass es sie entweder gar nicht gibt oder sie ihnen sogar freundlich gesinnt seien, werden sie immer stärker. Wenn wir verhindern wollen, dass sie uns zu ihren Sklaven machen, müssen wir ständig auf der Hut sein.“ Er deutete auf die Visitenkarte in meiner Hand. „Du weißt jetzt, wo du uns finden kannst. Dort wirst du alles erfahren.“ Ohne mir noch einen einzigen Blick zu schenken, drehte er sich zu seinen Begleitern um und nickte ihnen zu.

Wie zum Abschied hoben sie ihre Rechte - die ebenfalls mit schwarzen Manschetten geschmückt waren -, wendeten dann ihre Räder, stiegen auf, traten kurz in die Pedale und gewannen rasend schnell an Tempo. Schon nach wenigen Metern begannen Rahmen und Reifen wieder blau zu leuchten. Die Bikes hoben vom Boden ab und schwebten so geschwind in die Höhe, dass der Dunst und die Dunkelheit über den Dächern der Stadt sie schon wenig später verschluckten.

Fassungslos und ohne das Geschehene richtig zu begreifen, starrte ich ihnen nach. Hatte ich das wirklich erlebt? Oder hatte ich mir alles nur eingebildet? Die Ereignisse der letzten Minuten waren so absurd gewesen, dass sie sich unmöglich genauso abgespielt haben konnten.

Ich musste einer Täuschung aufgesessen sein!

Aber ... was hatte ich dann beobachtet? Einen neuartigen Trendsport in der geheimen Erprobungsphase? Einen Flashmob mit fantastischen Elementen? Oder war ich Zeuge eines unbekannten Live-Rollenspiels geworden und mein vom Sekt umnebeltes Gehirn hatte mir die bizarren Einzelheiten nur vorgegaukelt? In Berlin passierten schließlich die seltsamsten Dinge, und welche Wirkung Alkohol auf mich hatte, wusste ich ja noch nicht. Je länger ich über diese Fragen nachgrübelte, desto unsicherer wurde ich ... bis ich schließlich die Visitenkarte in meiner Hand erblickte. Denn diese bewies eindeutig, dass die Begegnung mit den Bikern bestimmt keine Halluzination gewesen war. Allerdings - hatte dieser Taha tatsächlich derart seltsames Zeug von sich gegeben und von Blutgierern, Norpel, Fantoms und wer weiß was noch gesprochen?

Das war doch blanker Unsinn ... oder?

Die Visitenkarte half mir auch nicht viel weiter. Auf ihr stand nämlich nur ein geheimnisvolles Kürzel: GSP - was immer das auch bedeuten mochte. Und darunter eine Adresse in Mitte: 4.Etage, Eingang Marktgrafenstraße 38, 10117 Berlin.

In tiefe Gedanken versunken ging ich weiter und stieß um ein Haar mit einem jungen Paar zusammen: ein Mädchen mit blonden Haaren - sie war vielleicht ein, zwei Jahre älter als ich - und ein Junge mit einer modischen Designerbrille auf der Nase, der dem Aussehen nach zu urteilen wahrscheinlich ihr jüngerer Bruder war.

Die beiden blieben vor mir stehen und blicken mich besorgt an. Sie meinten es ernst, das spürte ich sofort. Vielleicht war das der Grund, weshalb sie mir auf Anhieb sympathisch waren. „Bist du okay?“, erkundigte sich das Mädchen.

„Ja, klar.“ Ich nickte ihr beruhigend zu. „Mir ist nichts passiert.“

„Da bin ich ja beruhigt.“ Der Junge schob die Brille, die ihm auf die Nasenspitze gerutscht war, wieder zurück. „Wir waren leider viel zu weit von dir weg!“ Wie zur Entschuldigung hob er die Arme. „Was waren denn das für Typen auf den seltsamen Fahrrädern?“

„Keine Ahnung. Die hab ich noch nie gesehen.“ In meiner immer noch anhaltenden Verwirrung konnte ich nur mit den Schultern zucken. Auch ihre weiteren Nachfragen beantwortete ich nur ausweichend - schließlich wusste ich selbst nicht genau, was mir gerade eben widerfahren war. Außerdem musste ich dringend zur U-Bahn. „Tschüss“, sagte ich deshalb hastig. „Und danke, dass ihr mir helfen wolltet.“ Damit drehte ich mich um und eilte davon. Ich hatte noch keine fünf Schritte zurückgelegt, als die Blonde mir hinterherrief: „Hey! Wie heißt du eigentlich?“

Mann!

Was war heute bloß los? Warum, zur Hölle, wollten alle meinen Namen wissen? Außerdem ging das die Blonde doch gar nichts an! Mir lag schon eine pampige Antwort auf der Zunge, als ich mich doch noch anders besann: schließlich hatten die beiden sich ernsthaft um mich besorgt gezeigt. „Nele!“, rief ich deshalb zurück. „Nele Müller!“ Als ich an der Treppe ankam, die hinunter zu den U-Bahnsteigen führte, hörte ich gerade noch das Geräusch eines abfahrenden Zuges: es war die letzte U-Bahn für heute, wie ich von der Fahrplanauskunft im Internet wusste.

Ja, super - das hatte mir gerade noch gefehlt!

Auszug aus: „Guardians of Secret Powers Band 1: Das Siegel des Teufels“ Seite 98 - 102

 

Über diesen LINK findet ihr eine Berlin-Karte mit den wichtigsten Schauplätzen des Buches.

Und über diesen LINK geht es zu einem ausführlichen Interview mit Peter Freund zu seiner neuen Buchreihe.